Kellner_innenKackKolumne SICKTRESS_ TRESS_SICK

Ich bin krank. So richtig. Schon am 31.12. habe ich schlimmes Fieber bekommen. Da wusste ich alle Arbeit nächste Woche wird sich nicht ausgehen. Das heißt alles Geld verdienen wird sich nicht ausgehen. #Kellner_innenKack

Ich bin also krank. Mein Arzt zu dem ich mich am Montag Mittag hinschleppe, bestätigt mir dies. Zuerst aber die mittlerweile routinierte immer gleich ablaufende Unterhaltung. Ich war das letzte Jahr nämlich ein paar Mal immer wegen zu arger Rauchbelastung im Hals da:

Arzt: „Rauchen Sie?“
Ich: „Ja.“
„Viel?“
„Was ist viel? Wahrscheinlich gerade eher nicht.“
„Was arbeiten’s denn?“
„Ich bin Kellnerin_ in einer Bar/Café.“
„Uiii! Wird da viel geraucht?“
„Ja.“
„Mund auf. Zunge raus“
„Ähhhh. [Wäh das Staberl ist so grauslich! Ich speib mich gleich an.]“
„Da ist aber nix.“

Es hat diesmal auch mehr was mit der Lunge an sich zu tun als mit dem Hals. Es ist nämlich was arges. Er hört mich ab und tippt dann in seine Nicht-Wireless-Computertastatur. Ich warte. Der Arzt hat mir vor lauter „Wartezimmer-zum-Bersten-voll-mit-Kranken“ vergessen zu sagen was es ist, das ich hab. „Was ist es denn?“ , frag ich. „Naja, eine grausliche Bronchitis“. Na toll. „Eine Woche lang Antibiotikum und kein Arbeiten. Sie sind bis 11.1. schwer krank.“ Meine Befürchtung ist offiziell bescheinigt. Ich lass mir auch noch einen Zettel geben auf dem ganz oben steht „Arbeitsunfähigkeitsmeldung“ (Ich bin übrigens unfähig mir dieses Wort zu merken, geschweige denn auszusprechen). Hab ich fast vergessen, weil das ist neu, dass ich sowas abgeben kann. Sonst wenn der Arzt sagte „Bei der Rezeption kriegen’s eine Bescheinigung, dass’ krank sind…“, fiel ich ihm ins Wort „Nein, brauch ich nicht. Ich kann Sie eh niemanden geben.“ Da es jetzt aber diese Bling-Bling-Registrierkassa gibt, gibt es auch Krankengeld. Hoffentlich.

Die WGKK hat sich mich prompt als Stichprobe ausgesucht und mir einen nicht gesundheitsfördernden, weil unterstellenden und befehlenden Brief geschickt. Mit Satzteilen wie: „Nach der Krankenordnung sind Sie verpflichtet,…“, „…, ist dazu unsere Zustimmung erforderlich“ oder „Ihr Krankenstand kann nur solange anerkannt werden, als Sie …“. Puh. Richtig Schiss bekomme ich bei diesem Satz: „Beachten Sie, dass Ihr Anspruch auf Krankengeld ruht, wenn Sie den Vorladetermin unentschuldigt versäumen.“
Da klingt der Betreff „EINLADUNG zur medizinischen Begutachtung“ doch euphemistisch. Geld brauch ich trotzdem.

Am 11.1. zwischen 9:30 und 10:30 muss ich also meine Krankheit beweisen. Um 10:28 bin ich dort. Ich überlege: „Hoffentlich bin ich noch nicht zu gesund, dass sie mir nicht glauben. Vielleicht sollte ich mehr husten. Zur Not hab ich meine leere Antibiotikaschachtel mit.“ Die macht mich übrigens auch glaubwürdig und es erleichtert mich, weil zu beweisen, dass eins krank ist/war ist bedrückender als vermutet.

Die Ärztin_ von der WGKK prüft mich zu meiner Krankheit ab und bestätigt sie als existent. Sie ist nett und will mich sogar noch eine Woche freischreiben.
Ich aber: „Bitte nicht. Ich muss am Wochenende endlich wieder arbeiten. Ich bin nämlich Kellnerin_.“
WGKK-Ärztin: „Krankengeld müssen Sie aber beantragen.“
Wie jetzt? Also nur hoffentlich Geld?

Mein Chef hatte mir eine Woche davor nämlich am Telefon erklärt, dass es „ein bissl was“ sein wird, das ich bekommen werde, als ich ihn über meine Erkrankung benachrichtige.

Ich: „Ich bin krank. Hab Bronchitis bis Montag.“
Chef: „Oje. Wann bist’n wieder einsatzfähig?“
„Ähm. Wie jetzt?“
„Naja arbeiten wirst wieder so ab Mitte des Monats können.“
„[Oh nein das ist viel zu spät. Das geht sich geldtechnisch nicht aus.] Ich glaube schon etwas früher. Hoffe ich.“

Die Gleichung in einer solchen Situation ist: Ja, hoffen ist meist das einzige was eine_r als Kellner_in tun kann. Hoffen, dass meine Gesundheit so schnell wie möglich besser wird. Hoffen, dass das Geld bis dahin reicht. Hoffen, dass irgendwelche Leute von der WGKK, Krankengeld zuerkennen. Hoffen, dass Leute deine Dienste übernehmen und nicht zu grantig sind. Hoffen, dass du deine Dienste halb krank auch schaffst. Hoffen, dass dir niemand böse ist, weil du krank bist.

Da meine Kolleg_innen nett sind, übernehmen sie für mich das Dienste-eintragen bei der Dienstbesprechung und meine Dienste. Und ich strenge mich an gesund zu werden. Um dann drauf zu kommen, dass das nicht wirklich geht.

Das Metaergebnis der Gleichung ist: Gesundheit erzwingen geht nicht. Egal wie sehr eins will. Aber es muss trotzdem irgendwie. SICKTRESS_ TRESS_SICK

Hashtag Kellner_innenKack, #KellnerinnenKack, Häschtäg Köinner_innenGag

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Liebe Freund_innen sind die, die dein krankes Ich mit Grumpy Cat vergleichen.
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