Kellner_innenKackKolumne HAMSTER_HANGOVER HANGOVER_HAMSTER

Müde. Müde. Müdääääää.

Nach meiner Krankheitsepisode der letzten zwei Wochen und länger, bin ich als Kellnerin_ back in the saddle. Und umso mehr ist mir die Nachtarbeit eingefahren. Wie ein helles triangle-Zuglicht, das in der Dunkelheit dein Augenlicht überstrahlt, dich blind macht und dich überfährt. So fühl ich mich nach zwei Diensten hintereinander: Gerädert, wie vom Zug überfahren und unfähig aufzustehen. #Kellner_innenKack

Es ist Samstagabend und ich muss erst um 18:00 zu arbeiten beginnen. Ich mag das ja lieber als um 17:00, weil da gehört dir noch der ganzen Nachmittag. Um mich wieder zu aklimatisieren bin ich aber schon um 17:30 da, quatsch mit den Kollegen_ und lass mich über Infos, Befindlichkeiten und Grant auf den neuesten Stand bringen. Bis meine „coole-Haar-Kunstwerke-mit-Blume-und-Glitzer“-Kollegin_ kommt und mich vorwarnt: „Ich bin müde von gestern.“ Am vorigen Abend dürften sie und „schicke-Schuhe“-Kollege erst spät rausgekommen sein. So um halb vier. Es war viel los.

Ich dagegen fühl mich fit. Fit, fitty, fitz. Ich bin nett zu den Gäst_innen und alles. Gemeinsam ist uns nicht fad, einige Gäst_innen sind trotz Kälte gekommen oder feiern Geburtstag. Wir machen alles gut, easy peasy japaneasy.

Irgendwann sagt dann meine „coole-Haar-Kunstwerke-mit-Blume-und-Glitzer“-Kollegin_: „Irgendwas stimmt heute mit meinen Augen nicht. Komisch.“ Und ich so: „Hmm, vielleicht weil du müde bist? Fühlen sie sich schwer an?“ Und sie_ „Ahja! Stimmt. Hatte ich vergessen. Schon seltsam, ich hab überlegt was ich so zwischen dem Dienst gestern und heute gemacht hab.“ „Und, was hast du gemacht?“ „Gearbeitet, geschlafen, gefrühstückt, ein bisschen was gelesen und dann wieder gearbeitet.“ „…Ja. So geht’s mir auch immer.“ „…Ja.“

Die (Stamm-)Gäste beklagen auch einiges an Schlafmangel durch ihre eingefallenen Haltungen bei der ihre Stirne nur wenige Zentimeter über der Bar hin und her schweben.

„Ein-Viertel-Rot“-Gast, der mich immer Marlen nennt, bestellt „Ein Viertel Rot, Marlen!“ und nickt an der Bar ein bevor er noch den ersten Schluck nimmt. Es ist ja unangenehm Leute zu wecken. Sie haben dann so einen aus dem Ei gepellten Baby-Seerobbenblick, der dich fragt: „Warum ist es hier so kalt? (Komisch, weil da wo Robben auf Fotos oder in Filmen dargestellt sind, ist immer Wasser, Eis oder Schnee. Also eigentlich sollten sie das mit ihrem Blick nicht fragen.) Wo bin ich? Bringt mich zurück in meine Schlafhöhle (oder wo auch immer Baby-Seerobben schlafen)“. Das ist zu viel süß. Ich mag das nicht. Was soll eins denn da machen?

Deswegen rede ich mit schlafenden „Ein-Viertel-Rot“-Gast ganz normal, so als ob er nicht schlafen würde. „Hey ‘Ein-Viertel-Rot’-Gast bist ein bissl müde?“ Bei „Ein-Viertel-Rot“-Gast wacht er auf und trinkt schnell alibihalber einen Schluck von seinem Rotwein. Das hält ihn aber nicht davon ab ein paar Minuten nachdem er in seinem fast Analoghandy mit echten Tasten herumgedrückt hat, wieder einzuschlafen. Da schaltet sich meine „coole-Haar-Kunstwerke-mit-Blume-und-Glitzer“-Kollegin_ ein und tippt ihn an. Er schreckt ein „Zahlen bitte!“ heraus und geht. „Good for you“, denk ich mir.

Dasselbe denk ich mir Sonntagnacht wieder, denn es sieht so aus als würden mein „coole-Pirat_innenhosenträger“-Kollege_ und ich um 1:00 schon aus dem Lokal rauskommen. Um 1:00! Das ist wie 11:30 für Beamt_innen. Unsere acht Stunden Arbeitszeit und Lohn haben wir herinnen, es ist wenig los, wir können gehen. Good for us.

Ich überlege gleich wie bald ich zur Abwechslung schlafen könnte. „Wenn ich bald zuhause bin, weil „coole-Pirat_innenhosenträger“-Kollege_ und ich nix mehr trinken gehen, dann könnte ich schon um 3:00 schlafen! (Wer denkt als Kellner_in/Nachtarbeiter_in könnte eins gleich schlafen sobald eins mit der Arbeit fertig ist, irrt sich mächtig. Versuch du mal voll im Arbeitsmodus dich ins Bett zu legen. Siehst du, es geht nicht. You need time to decompress.)

Und dann könnte ich morgen um 11:00 schon aufstehen und Unisachen machen. Und die Mail schicken und [fade out]“. Ich bin mit Unizeug nämlich im Verzug, weil zwischen dem Dienst am Samstag und dem am Sonntag hab ich – um meine „coole-Haar-Kunstwerke-mit-Blume-und-Glitzer“-Kollegin_ zu zitieren – „Gearbeitet, geschlafen, gefrühstückt, ein bisschen was gelesen [ok ich hab eine Folge Gilmore Girls geschaut] und wieder gearbeitet.“

Die Gleichung in einer solchen Situation ist: Ich habe zweimal hintereinander in der Nacht gearbeitet. (Manche von uns Kellner_innen machen das 4-5 Mal die Woche!) Ich wache am Montag 11:00 mit Wecker auf. Die Sonne scheint und blablabla und aus meiner Decke kommt nur ein „MÜDÄÄÄÄÄÄÄ!“.

Ich schaffe nix. Ich geh zu Freund_innen Nachmittagessen, besorge davor noch einen grünen Salat und Litschis. Hänge in einem Café ab, hänge mit „schicke Schuhe“-Kollege_ in einem Café ab, gehe einkaufen, koche was und hänge zuhause ab.

Das Metaergebnis der Gleichung ist: Nachtarbeit scheißt dir in deinen Rhythmus rein und ist nicht gut vereinbar mit Uniarbeit und gängigen (europäischen) Alltagserwartungsrythmen. Nachtarbeit macht müde. HAMSTER_HANGOVER HANGOVER_HAMSTER

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Sabber, sabber, sabber,…

 

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Kellner_innenKackKolumne SICKTRESS_ TRESS_SICK

Ich bin krank. So richtig. Schon am 31.12. habe ich schlimmes Fieber bekommen. Da wusste ich alle Arbeit nächste Woche wird sich nicht ausgehen. Das heißt alles Geld verdienen wird sich nicht ausgehen. #Kellner_innenKack

Ich bin also krank. Mein Arzt zu dem ich mich am Montag Mittag hinschleppe, bestätigt mir dies. Zuerst aber die mittlerweile routinierte immer gleich ablaufende Unterhaltung. Ich war das letzte Jahr nämlich ein paar Mal immer wegen zu arger Rauchbelastung im Hals da:

Arzt: „Rauchen Sie?“
Ich: „Ja.“
„Viel?“
„Was ist viel? Wahrscheinlich gerade eher nicht.“
„Was arbeiten’s denn?“
„Ich bin Kellnerin_ in einer Bar/Café.“
„Uiii! Wird da viel geraucht?“
„Ja.“
„Mund auf. Zunge raus“
„Ähhhh. [Wäh das Staberl ist so grauslich! Ich speib mich gleich an.]“
„Da ist aber nix.“

Es hat diesmal auch mehr was mit der Lunge an sich zu tun als mit dem Hals. Es ist nämlich was arges. Er hört mich ab und tippt dann in seine Nicht-Wireless-Computertastatur. Ich warte. Der Arzt hat mir vor lauter „Wartezimmer-zum-Bersten-voll-mit-Kranken“ vergessen zu sagen was es ist, das ich hab. „Was ist es denn?“ , frag ich. „Naja, eine grausliche Bronchitis“. Na toll. „Eine Woche lang Antibiotikum und kein Arbeiten. Sie sind bis 11.1. schwer krank.“ Meine Befürchtung ist offiziell bescheinigt. Ich lass mir auch noch einen Zettel geben auf dem ganz oben steht „Arbeitsunfähigkeitsmeldung“ (Ich bin übrigens unfähig mir dieses Wort zu merken, geschweige denn auszusprechen). Hab ich fast vergessen, weil das ist neu, dass ich sowas abgeben kann. Sonst wenn der Arzt sagte „Bei der Rezeption kriegen’s eine Bescheinigung, dass’ krank sind…“, fiel ich ihm ins Wort „Nein, brauch ich nicht. Ich kann Sie eh niemanden geben.“ Da es jetzt aber diese Bling-Bling-Registrierkassa gibt, gibt es auch Krankengeld. Hoffentlich.

Die WGKK hat sich mich prompt als Stichprobe ausgesucht und mir einen nicht gesundheitsfördernden, weil unterstellenden und befehlenden Brief geschickt. Mit Satzteilen wie: „Nach der Krankenordnung sind Sie verpflichtet,…“, „…, ist dazu unsere Zustimmung erforderlich“ oder „Ihr Krankenstand kann nur solange anerkannt werden, als Sie …“. Puh. Richtig Schiss bekomme ich bei diesem Satz: „Beachten Sie, dass Ihr Anspruch auf Krankengeld ruht, wenn Sie den Vorladetermin unentschuldigt versäumen.“
Da klingt der Betreff „EINLADUNG zur medizinischen Begutachtung“ doch euphemistisch. Geld brauch ich trotzdem.

Am 11.1. zwischen 9:30 und 10:30 muss ich also meine Krankheit beweisen. Um 10:28 bin ich dort. Ich überlege: „Hoffentlich bin ich noch nicht zu gesund, dass sie mir nicht glauben. Vielleicht sollte ich mehr husten. Zur Not hab ich meine leere Antibiotikaschachtel mit.“ Die macht mich übrigens auch glaubwürdig und es erleichtert mich, weil zu beweisen, dass eins krank ist/war ist bedrückender als vermutet.

Die Ärztin_ von der WGKK prüft mich zu meiner Krankheit ab und bestätigt sie als existent. Sie ist nett und will mich sogar noch eine Woche freischreiben.
Ich aber: „Bitte nicht. Ich muss am Wochenende endlich wieder arbeiten. Ich bin nämlich Kellnerin_.“
WGKK-Ärztin: „Krankengeld müssen Sie aber beantragen.“
Wie jetzt? Also nur hoffentlich Geld?

Mein Chef hatte mir eine Woche davor nämlich am Telefon erklärt, dass es „ein bissl was“ sein wird, das ich bekommen werde, als ich ihn über meine Erkrankung benachrichtige.

Ich: „Ich bin krank. Hab Bronchitis bis Montag.“
Chef: „Oje. Wann bist’n wieder einsatzfähig?“
„Ähm. Wie jetzt?“
„Naja arbeiten wirst wieder so ab Mitte des Monats können.“
„[Oh nein das ist viel zu spät. Das geht sich geldtechnisch nicht aus.] Ich glaube schon etwas früher. Hoffe ich.“

Die Gleichung in einer solchen Situation ist: Ja, hoffen ist meist das einzige was eine_r als Kellner_in tun kann. Hoffen, dass meine Gesundheit so schnell wie möglich besser wird. Hoffen, dass das Geld bis dahin reicht. Hoffen, dass irgendwelche Leute von der WGKK, Krankengeld zuerkennen. Hoffen, dass Leute deine Dienste übernehmen und nicht zu grantig sind. Hoffen, dass du deine Dienste halb krank auch schaffst. Hoffen, dass dir niemand böse ist, weil du krank bist.

Da meine Kolleg_innen nett sind, übernehmen sie für mich das Dienste-eintragen bei der Dienstbesprechung und meine Dienste. Und ich strenge mich an gesund zu werden. Um dann drauf zu kommen, dass das nicht wirklich geht.

Das Metaergebnis der Gleichung ist: Gesundheit erzwingen geht nicht. Egal wie sehr eins will. Aber es muss trotzdem irgendwie. SICKTRESS_ TRESS_SICK

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Liebe Freund_innen sind die, die dein krankes Ich mit Grumpy Cat vergleichen.

Kellner_innenKackKolumne SCHAFWIRTIN_ WIRTIN_SCHAF

Weihnachtsalienmonster verkleidet als glitzernes Geschenkpapier, dicke Deko-Engel oder staubigen Vanillekipferlteig haben in den letzten Wochen den Gäst_innen die Hirne ausgesaugt. Zurückgelassen wurden blökende Schafe, die dich mit großen Augen ansehen. Sie hoffen, dass du ihre Wünsche von den Augen ablesen kannst. Sonst werden sie frustriert-aggressiv oder lethargisch. #Kellner_innenKack

Anders kann ich mir einige Vorkommnisse in meinen letzten Diensten nicht erklären. (Es könnte sein, dass sie einfach aufgehört haben zu denken und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Aber das ist grusliger als Weihnachtsalienmonster. Deswegen bleib’ ich bei Weihnachtsalienmonstern.)

Situation ONE:

Am Klo sitzt eine Person. Sie hat, wie meist üblich, die Türe zugesperrt. In einem kleinen Fenster am Schloss ist die Scheibe dahinter rot. Was heißt: „HEY DU! Hier ist jemand gerade beschäftigt mit Kacken, Pissen, Tamponwechseln, Speiben,…. Gib dieser Person gefälligst etwas Ruhe und komm später wieder. Höflichst, dein Klo.“ Wenn die Scheibe hingegen weiß ist, sagt sie „HALLO HALLO HALLO! Ich bin unbesetzt. Trete ein, lass den Scheiß in meiner Muschel sein. Und raste ein bisschen aus, wenn dir die Leute am Arsch gehen. Alles Liebe, dein Klo.“

Das heißt: Bei rot stehen, bei weiß gehen. Eine Gästin_ versteht das Konzept wegen ihrem_ von weihnachtsalienausgesaugten Hirn nicht (mehr). Sie_ versucht die Türe per Klinke zu öffnen, nachdem diese nicht aufgeht (es ist besetzt und die Scheibe auf rot), fängt sie_ an wild an der Türe zu rütteln. (Die arme Person am Klo!) Irgendwann sieht sie_ sich von ihr besiegt und sucht Hilfe an der Bar. Sie_ fragt mich: „Wo ist das Frauen_klo?“ „Eh da wo sie schon (hörbar) versucht hatten reinzugehen.“ „Aber die Tür ging nicht auf.“ „Das liegt daran, dass jemand drinnen ist und zugesperrt hat. (Aber alles wird gut, kleines Schaf. Irgendwann wird das Klo auch für dich frei.)“

Ich verstehe, dass eins von den Farben verwirrt sein kann. Schließlich gibt es auch dokumentierte Fälle über eine Vertauschung von rot- und weiß-Phasen. Was zu einer umgekehrten Bedeutung von „Klo ist besetzt“ und „Klo ist unbesetzt“ führt. Es kann auch sein, dass eins die Klotür nicht aufbekommt – aus unerklärbaren Gründen. Ist mir alles auch schon passiert.

Aber exakt dieselbe Klosituation hatte ich an diesem Abend gleich FÜNF MAL! Ich wusste in meinen fast zweieinhalb Jahren, die ich in diesem Lokal arbeite, bis zu dem Abend gar nicht, dass dieses Problem überhaupt existiert. Es kam nicht (derartig gehäuft) vor.

Situation TWO:

Bestellungen scheinen Schafgäst_innen besonders herauszufordern. Ein Gast_ fragt mich: „Welches Flaschenbier habt ihr?“ Ich antworte auf seine_ Frage „Cerna Hora. Ein tschechisches Bier. Gibts in hell, dunkel und gemischt.“ „Welches Flaschenbier habt ihr?“ „Cerna Hora (wie ich gerade gesagt habe). Oder noch special Sachen von Schremser wie Roggenbier, Hanfbier, Zwickl.“ Er starrt mich durch seine Brille an. „Aber welches Flaschenbier habt ihr? Habt ihr nicht Weitra oder so?“ Ich war baff. Wie soll eins die exakt selbe Frage zum dritten Mal beantworten? Wie geht eins mit so einer Situation um? Ich entscheide mich ruhig zu bleiben, um das Gast_schaf nicht nervös zu machen. „Cerna Hora, Roggenbier, Hanfbier, Zwickl.“ „Welches Fassbier habt ihr? Ein Zwettler oder so, oder?“ „Nein. Ein Helles oder ein Vienna Indian Pale von Schremser.“ „Hmmmm. Ein Schremser.“ „Großes Helles?“ „Hmmm. Habt’s ihr nicht mal Weitra gehabt?“ „Nein.“ „Dann ein großes, helles Schremser.“

Und jetzt kommt noch der lustige Twist in der Geschichte: Dieser Gast_ kommt (mindestens) einmal in der Woche und bestellt sich immer helle, große Bier. J E D E W O C H E!

Am liebsten hätte ich ihm_ trocken gesagt, was er_ immer trinkt. Um ihn_ daran zu erinnern, dass er_ es eigentlich weiß und es eigentlich nicht so schwer ist.

Situation THREE:

Wenn es um Essen und Trinken geht, ist jedes Schaf sich selbst am nächsten. Besonders eindrücklich hab’ ich das als Punschverkäuferin_ vor zwei Jahren am Punsch-/Fladenstand am Weihnachtsmarkt am Karlsplatz erlebt. Die Leute erschlagen sich fast mit den Pfandhäferln oder fangen sich zu prügeln an, damit jede_r erste sein kann. (Die verbalen Attacken braucht eins eigentlich nicht erwähnen, so häufig sind die.) Um dann erst recht nicht zu wissen, was sie bestellen wollen. Damit eins es bis zum Ende eines stressigen Dienstes schafft, ist eine gute Mischung gefragt aus 1. Erziehung („Bitte hören sie auf ihre Häferl auf den Kopf der Person vor Ihnen zu schlagen.“), 2. Geduld („So jetzt beruhigen Sie sich. Alle bekommen etwas.“) und 3. Wut („So jetzt reißen Sie sich zusammen und hören Sie auch mich/die anderen zu beschimpfen. Sonst gibt es keinen Punsch für Sie.“)

Aber es kann auch subtiler sein. Im Lokal bringen ich einer Runde aus älteren Frauen_ ihre Getränke. Einen weißen Spritzer, ein Achtel Rosé und ein Achtel roten Hauswein. Es ist nur ein Glas Wasser auf meinem Tableau für das Achtel Rot. Ich stelle es neben das Achtel Rot vor die älteste Frau_ in der Runde. Dann ist mein Tableau leer. Ihre Freundin_ (?) schnappt sich das Glas und stellte es neben ihren Rosé. Sie starrt mich böse an, aber bittet mich nicht um ein weiteres Glas Wasser. Das tut mir so leid für die Achtel-Rot-Trinkerin_, dass ich ungefragt erneut ein anderes Glas Wasser neben ihr Achtel Rot stelle. Diese ist aber nur grantig auf mich, weil ich den Wein in ein ihr zu kleines Glas geschüttet habe.

Die Gleichung in einer solchen Situation ist: Eins meint es gut und dann kacken Sie dir Schafkacke auf den Kopf. Mein Trinkgeld knackte an diesem Abend nicht mal die 10 Prozentmarke. Die Weihnachtsalienmonster haben den Gäst_innen auch die Fähigkeit Trinkgeld zu geben ausgesaugt!

Das Metaergebnis der Gleichung ist: Weihnachten gehört abgeschafft. Durch die brainsucking Weihnachtsalienmonster verschlechtern sich meine Arbeitsbedingungen um den Faktor 120. SCHAFWIRTIN_ WIRTIN_SCHAF.

Hashtag Kellner_innenKack, #KellnerinnenKack, Häschtäg Köinner_innenGag

(Kleiner Erfolg: Ich kann jetzt zwei große Biere in einer Hand tragen! Juhu!)

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Die brainsucking Weihnachtsalienmonster.

 

Kellner_innenKackKolumne BLOODYMONDAY MONDAYBLOODY

Nun ich habe meine Tage. Meine Regel. Menstruation, wie auch immer ihr sie am liebsten nennt. (Manche mögen ja auch die Ausdrücke Erdbeertage oder die rote Hexe. Beide find ich aber euphemistisch und gefallen mir nicht gut. Mehr Ausdrücke fallen mir gerade nicht ein.)

Also ich habe meine Tage und das ist in der Gastro sowas wie eine kleine Katastrophe mit Schlagobers drauf. Welche Person schon mal starke Regelschmerzen hatte, kann sich vorstellen wie eine Arbeit ist in der eins mit Menschen redet, sich körperlich anstrengt, lächelt und Kopfrechnet. URE, VOLL, KOMPLETT BESCHISSEN. #KellnerinnenKack

Den schlimmste-Schmerzen-ersten Regeltag hatte ich per Zufall schon am Tag vor meinem Dienst. Das bedeutet einerseits, dass das Bangen, ob ich den Dienst bestreiten kann etwas weniger wird, andererseits ist der freie Tag im Arsch. Die Frage, die ich mir immer stelle, bleibt: Wünsche ich mir, dass ich nicht arbeiten kann, weil ich mit Krämpfen in möglichst enger embryonalen Stellung im Bett/auf dem Sofa zusammengerollt liege_leide und dafür kein Geld bekomme? Oder wünsche ich mir, dass ich am Tag vor meinem Dienst mit Krämpfen in möglichst enger embryonalen Stellung im Bett/Sofa zusammengerollt liege_leide, damit ich dann einen ungefähren Dienst machen kann und Geld bekomme?

Welcher Wunsch gewinnt, hängt immer von meinem Kontostand ab. Obwohl ich in echt natürlich lieber nicht arbeiten würde. Am liebsten würde ich ja gerne mit Krämpfen in möglichst enger embryonalen Stellung im Bett/auf dem Sofa zusammengerollt liegen, mich krank-_abmelden und trotzdem dafür Geld bekommen. Und am aller aller liebsten hätte ich gerne gar keine Tage mit Krämpfen an denen ich in möglichst enger embryonalen Stellung im Bett/ auf dem Sofa zusammengerollt liege und leide. Und trotzdem Geld bekomme, obwohl ich nicht arbeite.

Aber diese Optionen hat mir noch niemand vorgeschlagen. Außerdem: Wann ich meine Tage bekommen will, kann ich mir nicht wünschen. Sie kommen immer an meinem freien Tag und machen mir die freien Tage davor schon kaputt, weil die Vor-Schmerzen sich in meinem Körper (Rücken, Vagina, Brüste, Gefühle) breit machen.

Also es ist Tag 2 meiner Regeltage und ich fühle mich bekackt. Um 16:15 muss ich mich dann entscheiden. Nehme ich ein Parkemed 500 oder nicht?

Personen, die schon mehr Erfahrungen mit Regelschmerzen hatten, werden euch, ihr die ihr mit Regelschmerzen nicht so vertraut seid, genau sagen können, wie welche Schmerzmittel wirken, wie stark und wie lange. Sie kennen so ziemlich alle, die eins in der Apotheke kaufen kann. Ich bevorzuge Thomapyrin. Die sind so stark, dass die Schmerzen relativ schnell weg sind und das für zirka 2-3 Stunden. Ohne Druggynebeneffekte, wie ich sie bei Parkemed habe. (Die vermeintlichen Regelschmerztabletten, wie Dismenol, haben einen Effekt wie ein Tic-Tac-Zuckerl. Null.) Mein Thomapyrinvorrat zuhause ist allerdings versiegt. Die letzten gingen bei meinen Regelschmerzen das Monat davor drauf.

Deswegen: Parkemed oder kein Parkemed?

Es ist Zeit zu gehen und ich entscheide mich dagegen ein Parkemed zu nehmen. Ich möchte nicht im Dienst ohne augenscheinlichen Grund die ganze Zeit kichern und gegen Gegenstände laufen. Außerdem funktioniert das mit dem Rechnen dann gar nicht mehr. Falls die Schmerzen ganz schlimm werden, greife ich halt auf den lokaleigenen Aspirintablettenvorrat zurück und hau mir eben zwei rein. Das ist zwar nicht ideal, aber na gut.

Im Lokal angekommen, bereue ich meine Entscheidung. Ich bin auch ohne Parkemed drowsy und laufe gegen alle möglichen Ecken und Kanten. Von Tischen, Sesseln, der Bar, vollen Limokisten, leeren Bierkisten, Waschbecken, Mauerecken. Ich pushe mich mit Punk. Ab 17:00, für ein paar Stunden lang. Meinen Kollegen_ stört das nicht. Er ist müde und braucht auch etwas energy. Die drei Metalfans mit dicken Totenkopfringen, -tattoos und T-Shirts sind wahrscheinlich sowieso was anderes gewöhnt. (Warum eigentlich nur immer (nur) Totenköpfe?) Das funktioniert ganz gut, ich tanze bzw. wackle herum beim Schreiben, beim Bier-Zapfen, beim Flaschen-Öffnen, beim mit-Gäste-Reden. Es wird dadurch sogar ein lustiger Dienst. Bis 23:00, dann ist es vorbei mit dem Tanz-Wackeln.

Die Gleichung in einer solchen Situation ist: Wenn eine_r Regelschmerzen hat, dann funktioniert nix mehr richtig. Egal wie sehr eine_r sich noch bemüht. Deswegen braucht eine_r sich aber nicht zusätzlich unter Druck setzen.

Es geht nichts mehr und ich will heim und mich wieder in möglichst enger embryonalen Stellung im Bett/auf dem Sofa zusammengerollt liegen_leiden. Bis wir zusperren können, reibe ich mich meinen Unter-rücken an dem schönen warmen Geschirrspüler. Drücke mir die Barkante gegen meinen Unter-Bauch. Klappe auf dem Zebra-Geparden-Barhocker regelmäßig zusammen. Grantle die Gäste an. Solange bis endlich letzte Runde ist – um 00:30.

„Großes-Bier-Typ“ probierts danach trotzdem noch. „Ein großes Bier und an Schnaps.“ „Nein, letzte Runde war schon.“ „Wollts kein Geld verdienen?“ „Ich geb dir ein Seiterl und einen Schnaps.“ „Ein großes Bier und an Schnaps.“ „Es gibt kein großes Bier mehr.“ „Was ist der Unterschied zwischen einem Bier und einem Seiterl. Gib ma a Krügerl!“ „Du brauchst länger. Es gibt nur ein Seiterl.“ „Dann kannst da dein Seiterl und dein Schnaps ghoitn. Weil ich geh wieder.“ „Ok.“

Das Metaergebnis der Gleichung ist: Solche Diskussionen sind zwar ärgerlich, aber wenn dir Regelschmerzen in den Ohren klirren und du fast speiben musst, dann sieht eine_r das in Relation dazu. Und es ist einfach wurscht. BLOODYMONDAY MONDAYBLOODY

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Mein Tampongeist weint ure.

Straßenschuhe

Die schwarze Stiefelschlange

Die Schuhe waren Stiefel und sie fingen hoch oben an, ungefähr in der Mitte des Unterschenkels. Die Menschen, die in den schwarzen Lederstiefeln mit dicker schwarzer Sohle steckten, hatten sie straff gebunden. Die schwarzen Schuhbänder, die sich in regelmäßigen Abständen überkreuzten, hielten die beiden ledrigen Stiefelseitenlappen nah beieinander. Rosa konnte das Leder richtig jaulen hören, so stark wurde es gespannt.

Dicht nebeneinander stand in einer Reihe ein schwarzes, jaulendes Stiefelschuhpaar neben dem anderen. Es waren so viele, dass sie ein paar Schritte von ihnen wegtreten musste um das Ende der Stiefelreihe sehen zu können.

Sie blinzelte ein paar mal kräftig, aber es half nichts. Durch den starken Regen hindurch verschwammen die einzelnen Paare schwarzer Stiefelschuhe zu einer einzigen schwarze Stiefelschlange. Immer wieder bewegte sie sich kurz mal hier und mal dort, dann knirschte ihre schwarze Lederhaut. Aber sonst blieb sie regungslos angespannt auf der Straße liegen, jederzeit zum Angriff bereit.

Unter ihr breitete sich eine Straße aus Pflastersteinen aus. Sie waren rau und kantig. In Einbuchtungen sammelte sich in ihnen das Regenwasser zu kleinen Seen. Umringt von Pflasterstein-Granitbergen war es gefangen und stand. Am Grund der Mikroseen hatte sich festes braunes abgesetzt. Die groben Körnchen konnte Rosa im Stehen am Grund der Pflasterstein-Einbuchtungs-Seen mit bloßem Auge sehen. Ein unhörbares Blop, ein Tropfen fiel in einen hinein und es bewegte sich der ganze kleine See. Die Seeenden schwappten an die kleinen Granitberge, aber raus kamen sie nicht. Zu fest waren ihre steilen Steinwände. Manchmal wenn zu viele unhörsehbare Tropfen-Blops in den See fielen, dann wand sich ein Fluss über die Kante eines Pflasterstein-Granitbergkamms. Der Überfluss riss gleich mehrere Tropfen mit. Was blieb, war immer nur der alte, braune körnige Schlamm am Boden des Sees, der sich höchstens einmal ein bisschen hin und her treiben ließ, wenn es zu wild wurde.

Rosa sah auf die Tropfen auf ihren Schuhe, die sie ihm Gehen mitgenommen hatte. Ihre Schuhe waren schon ganz nass. Sie hatte versucht weiter zu gehen, aber die schwarze Schlange aus Stiefeln lag dick und schwer vor ihr und ließ sie nicht durch. Immer enger zog die schwarze Stiefelschlange ihren Körper um sie und die Menschen, die mit ihr gekommen waren. Einer_ versuchte rauszukommen aber die Stiefelhaut war hart wie die Steinwände gegen die das Pflasterstein-Seewasser schwappte und bald schon rann ihm_ Blut vom Kopf und tropfte auf seine abgetragenen Schuhe. Die schwarze Stiefelschlange schloss bereits einen Kreis um Rosa und die anderen – sie hatte sie fast eingekesselt. Bald würde die Stiefelschlange sie erwürgen.

Doch Rosa und die anderen blieben ruhig und überlegten. Mit den nassen Schuhspitzen begannen sie gemeinsam die Erde und den brüchigen Mörtel zwischen den Pflastersteinen aus zu kratzen und rauszupuhlen. Es dauert lange und die Stiefelschlange kam immer näher. Doch nach und nach lockerten sich die Pflastersteine und brachen die Straße auf, die vor langer Zeit Arbeiter_innen mühsam Stein für Stein zusammengesetzt hatten. Die Pflastersteine begannen sich zu bewegen und schon bald wackelten sie stark. Dann endlich ließ sich einer nach dem anderen lösen. Mit dem Schuhfuß hebelte Rosa einen von ihnen aus und hob ihn auf. Auf ihren Schuhspitzen klebten helle Sandkörner.

Die Maschenschuhe

Melicha starrte auf seine Schuhe. Sie sollten für den Prozess geschönt sein, aber es war nicht besonders gut gelungen. Sie waren matt, gräulich schwarz, die Schuhbänder locker gebunden. So als ob die Masche gleich auseinanderfallen könnte. Dann würden nur noch zwei lose baumelnde Schuhbänder-Stränge überbleiben. Große Aufregung würde ausbrechen wegen losen Schuhbändern. Melicha wurde selbst als Erwachsene noch von unbekannte Menschen am U-Bahnsteig oder vor dem Supermarkt gewarnt: „Pass auf! Deinen Schuhbänder sind offen!“ So schlimm waren die nicht-Maschen.

Als Kinder hatten sie gelernt, dass sie wegen losen Schuhbändern über die eigenen Füße fallen könnten. Schlimmer noch: Die Kinder könnten sich verletzen, tot sein! Und sie wären noch dazu selbst Schuld daran. Schuld daran, dass sie nicht besser darauf geachtet hatten, dass die Maschen wohlgeformte Maschen blieben und nicht zwei formlose Strichschnüre. Die Erwachsenen hatten den Kindern gelernt feste Maschen zu binden, damit sie sich nicht ihren eigenen Strick daraus fallen.

Melichas Bruder, dessen ungelungene Prozess-Schuhe sie anstarrte, hatte sich als Kind gegen das Maschen-Selberbinden vehement geweigert und wählte von Anfang an Klettverschluss-Schuhe. Sobald er eigene Maschen binden hätte sollen, bestand er auf Schuhe, die „ratsch“ machten, wenn er die Klettverschlüsse öffnete und leise blieben, wenn er sie wieder schloss.

Noch heute tat er sich mit der Maschentechnik schwer. Noch immer müsste Melicha ihm die Schuhbänder zu schönen, feste Maschen mit gleichmäßigen Schlaufen binden. Aber sie hatte es sich abgewöhnt, ihn für etwas zu verschönern, als Geschenk zu verpacken, dass sie beide hassten. Immer wieder hatte Melicha ihm Maschen gebunden, damit irgendwann das Erwachsenen-Versprechen eingelöst wurde, dass jemanden ohne lose Schuhbänder nichts passiere. Dass eine_einer sich nicht verletze. Doch es war ein hohles Versprechen, das sich mit der Zeit als glatte Lüge entpuppte. Die Maschen hatten nie das gemeine Unrecht und den heißen Schmerz verhindern können, die ihren Bruder verzweifelten und vor dem Melicha ihn mit Maschen schützen wollte. Das ungerechte Urteil des Richters bliebe nicht in ihnen hängen, sondern flöge durch die runden, gleichmäßig gebogenen Schlaufen hindurch.

Wozu also die Schlaufen, die Maschen wenn sie nicht das aufhalten konnten, wozu Melicha sie band. Ihr Bruder saß vorne übergebeugt alleine in der Mitte des Saals auf einer gerundeten Bank, die mit einer grässlichen Schicht Holzimitat überzogen war. Er raufte sich die Haare, starrte auf seine ungelungenen Schuhe und kämpfte mit den verurteilenden Worten des Richters, die auf ihn einschossen und ihn trafen. Melicha starrte auf seine Prozess-Schuhe und wartete darauf, dass seine Tränen beim Auftreffen auf den Schuhen kurz aufblitzten und mehr und mehr deren Mattigkeit überschwemmen würden. Bis die Tränen schlussendlich einsickerten und selber matt werden würden. Doch Melicha wandte den Blick ab, sie konnte nicht mehr warten, nicht mehr sehen. Die Tränen überfluteten ihre Sicht, schnell wischte sie sie weg und senkte den Blick auf ihre Schuhe. Es waren nicht die schönsten, die sie besaß. Melicha hatte sie teuer in einem kleinen Schuhgeschäft in einer anderen Stadt gekauft. Es war ein Paar rotes Raulederschuhe mit braunen Schuhbändern. Die Schuhbänderknoten, die sie vor langem Zeit einmal geknüpft hatte, lagen hinter den Schuhzungen versteckt.

Die Vogelperspektivschuhe

Max starrte konzentriert auf das erste Drittel seiner_ihrer hellblauen Klettverschlussschuhe und die graue Betonstrasse darunter – aus der Vogelperspektive. Nur dass er_sie kein Vogel war und die Höhe aus der er_sie auf seinem_ihre hellblauen Schuhe starrte auch nicht der eines Vogels entsprach. Auf ihrem Schulweg hatten Max mehrmals durch den frühmorgendlichen Nebel brauen Amseln mit schwarzen Schnäbeln und schwarze Amseln mit gelben Schnäbeln begleitet. Die waren aber nicht größer als das Lineal, das gerade noch in seine_ihre Stiftebox passte und mit dem er_sie im Deutschunterricht die Satzteile Subjekt – Prädikat – Objekt mit blauem, rotem und grünem Fineliner unterstrich.

„Wenn ein Vogel gleich groß ist, wie mein Schuh, wie kann er dann ein Drittel meines Schuhes von oben im Blick haben?“, hatte Max die Lehrer_innen gefragt. Die hatten ihm_ihr erklärt, dass es sich dabei nicht um die echte Größe eines Vogels handelte, sondern um eine spezielle Art wie dieser Häuser oder ganze Städte sehen konnte. Nämlich von hoch oben.

Die Vogelperspektive bezöge sich auf die Sicht des Vogels, wenn er fliegt und nach unten auf die Welt sieht. Erst viel später hatte Max erfahren, dass ihm_ihr damals nur ein Teil der Wahrheit erzählt wurde, denn die Vogelperspektive heißt nämlich auch Militärperspektive. Aber dann hätten ihr_ihm die Lehrer_innen zuerst erklären müssen, was Militär ist und warum dieses überhaupt einen Blick von oben braucht und warum es überhaupt Militär braucht. Und das ist nun wirklich nicht so interessant für ein Kind.

Damals aber war Max damit beschäftigt zu verstehen was nun die Vogelperspektive ist. Er_Sie konnte sich das aber nicht gut vorstellen. Deswegen stieg er_sie mit ihrem Großvater auf Spaziergängen auf hohe Türme im Wald und die höchsten Gebäude der Stadt, sie gingen sogar auf einen kleinen Berg und erklommen die hohe Wendeltreppe des Kirchturms, der von allen Gebäuden auf dem Berg am höchsten in den Himmel ragte.

Was er_sie von dort oben aus sah, waren die Häuser, und sogar die Stadt in der er_sie wohnte. Aber das interessiert Max nicht annähernd soviel wie die Lehrer und Lehrerinnen in der Schule, die Max und seine_ihre Mitschüler_innen immer nur Gebäude von oben zeichnen ließen.

Was ihn_sie verwunderte waren die Punktmenschen. Manche von ihnen bewegten sich, manche standen still. Einige von ihnen waren bunte Punkte, da sie knallig rote Hauben oder leuchtend gelbe Hüte trugen. Aber sonst sahen die Menschen alle aus wie Punkte. Punktmenschen eben. So richtig verstehen, konnte er_sie noch immer nicht warum es den Lehrer_innen in seiner_ihrer Schule so wichtig war, dass sie die Bedeutsamkeit der Vogelperspektive begriff. Als er_sie erneut die Lehrer_innen fragte, wurden diese verärgert und schickten ihn_sie weg.

„Warum wollen die Lehrer_innen, dass Menschen zu Punkte werden? Und woher wollen sie wissen was Amseln mit ihren gelben und schwarzen Schnäbeln sehen?“, fragte Max sich wieder, während er_sie auf der Mitte der Straße nach der scharfen Kurve stand. Er_Sie wartete auf das nächste Auto, vor denen alle Eltern so Angst hatten, da sie ihr Kinder totfahren könnten. Nun starrte er_sie schon länger auf ihre hellblauen Straßenschuhe, aber von den vielen, schnellen Autos über die sich die Erwachsenen beschwerten, war noch kein einziges mit lautem Motorbrummen um die Kurve gekommen. Irgendwann konnte er_sie sich nicht mehr aufs Starren konzentrieren. Ausserdem beschlich ihn_sie die Befürchtung eine der erwachsenen Personen, die in dem Haus an der Kurve wohnte in dem auch er_sie leben musste, könnte ihn_sie beobachten, sein_ihr Vorhaben durchschauen und sich entsetzen.

Er_Sie entschied sich sein_ihr Vorhaben zu verschieben und blickte von sein_ihren hellblauen Klettverschlussschuhen auf. Als Alibi kickte er_sie einen kleinen grauen Stein, der in der Nähe seines_ihres Schuhes lag, auf die andere Straßenseite und machte sich auf die Suche nach den brauen und schwarze Amseln. Max wollte sie fragen gehen, wie sie die Welt so sehen.

Dieser Text wurde im Rahmen des Zweisternmarktes am 21.11.2015 im Zweistern, Wien gelesen.

Ich mach’s mir selbst

Beste Sonntagsbeschäftigung: Ein paar feministische Pornos reinziehen. Mein Beitrag dazu auf umstandslos.com

umstandslos.

von Marlene

Vor kurzem schrieb mir eine Freund_in diese SMS: „hm wir [sie und ihr Sexpartner] haben uns gestern durch die pronowelt [sic] geklickt und es gibt sooo wenige die i gut find.“ Die immer wiederkehrende Frage, die wir uns beide stellen: Gibt es eigentlich irgendwo in dieser Welt Pornos, die uns (erstens als Personen und zweitens als Frauen_) gefallen?

Zuerst einmal: Solche SMS sind nichts außergewöhnliches in unserer Freundinnen_schaftsbeziehung. Wir sind beide ziemliche Sexfans und tauschen uns gerne darüber aus – und das schon seit der Schule. Mit zunehmendem Alter haben wir gemeinsam unabhängig voneinander festgestellt, dass es für manche Männer_ und Frauen_ nicht so leicht ist über ihren Sex zu reden. Das hat uns verwundert, und tut es noch immer. Es hielt uns aber nicht davon ab damit weiterzumachen. Im Gegenteil, wir suchen immer wieder neuen_unbekannte(n) Sex(fantasien). In der Auseinandersetzung bzw. im einfachen, zufälligen Gesprächsaustausch finden wir immer…

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